Fortbildungsreisen von Rechtsanwälten

Wenn ein Rechtsanwalt Kongresse besucht oder sich auf Fortbildungsreise begibt, so sind die dafür anfallenden Kosten steuerlich absetzbar. Wenn aber noch ?ein, zwei Tage drangehängt werden?, um ein wenig auszuspannen oder der Ehegatte mitkommt, ist die Finanz wenig erfreut.

Welche Aufwendungen im Zusammenhang mit Kongressen, Studien- und Fortbildungsreisen abzugsfähig sind, ergibt sich aus einer Vielzahl von Regelungen, die im Folgenden erläutert werden sollen, um ein "gefahrfreies" Reisen zu ermöglichen.

Mit der Ausübung des Berufes verbunden?

Als Grundregel gilt, dass alle Aufwendungen, die durch eine Reise unmittelbar verursacht werden, dann absetzbare Reisekosten darstellen, wenn sie mit der Ausübung des Berufes eines Rechtsanwaltes verbunden sind. Diese Regelung ist insofern schwammig, als sie keine eindeutige Aussage über Kombinationsreisen trifft, bei denen sowohl berufliche als auch private Motive eine Rolle spielen. Etwa wenn ein Fachkongress zur Hauptsaison in einem Skiort stattfindet.
Im Rahmen der Planung sollte bereits darauf geachtete werden, dass eine berufliche Bedingtheit erkennbar ist. Den zu erwerbenden Kenntnissen muss jedenfalls eine gewisse berufliche Verwertbarkeit zuerkannt werden. Nicht jegliches Seminar, welches sich Weiterbildungskurs nennt stellt auch eine abzugsfähige Fortbildungsmaßnahme dar. Es muss vielmehr spezifisches Fachwissen vermitteln.

Zeitliche Ausmaß des nicht-beruflichen Programms

Das wohl wichtigste Erfordernis stellt das eigentliche Reiseprogramm selbst dar. Hier gilt besondere Obacht in Bezug auf das zeitliche Ausmaß jener Programmpunkte, die nicht von ausschließlich beruflichem Interesse sind. Diese dürfen nicht mehr Zeit in Anspruch nehmen, als die "normale" Freizeit während der Berufsausübung. Dabei ist von einem Arbeitstag im Ausmaß von 8 Stunden auszugehen und diese Zeit bildet letztlich die gewünschte tägliche Vortrags-, Kongress- bzw. Seminardauer.

Beispiel: Ein Rechtsanwalt nimmt an einem Kongress teil, der insgesamt sieben Tage dauert, wobei drei Tage für "Touristik" zur Verfügung stehen. Da das "normale" Freizeitausmaß für sieben Tage (5 Arbeitstage und 2 Tage Wochenende) überschritten wird, sind die Reisekosten im Zusammenhang mit dem Kongress zur Gänze nicht abzugsfähig. Es können nur noch die Seminar- bzw. Kongressgebühren zum Abzug gebracht werden.

Problematisch ist es auch, wenn man nach Abschluss des Kongresses weiterhin im Unterbringungsort verweilen möchte. Auch in diesem Fall werden die gesamten Reisekosten als privat gewertet und somit nicht als abzugsfähig anerkannt. Seitens der Finanz ist nur ein einzelner Freizeittag, der dem Kongress vorangestellt oder angehängt wird, für die Abzugsfähigkeit der gesamten Reisekosten unschädlich. In diesem Fall sind nur die auf diesen Tag entfallenden Kosten nicht abzugsfähig.

Tipp: Es empfiehlt sich das Reiseprogramm den Steuerakten beizulegen, um nicht von nachgelagerten Zweifelsfragen seitens der Finanz überrumpelt zu werden. Das Programm ist, sofern es den genannten Voraussetzungen gerecht wird, hinsichtlich der Beweisbarkeit einer beruflich veranlassten Teilnahme jedenfalls ausreichend. Sämtliche Belege wie Hotelrechnungen und dergleichen sind ebenfalls aufzubewahren.

Ehegatte nimmt am Fachkongress teil

Weitere Probleme können sich ergeben, wenn der Ehegatte am Fachkongress teilnimmt. Im Regelfall wird wohl keine Betriebsausgabe vorliegen, es sei denn dem Ehepartner sind dieselben beruflichen Motive zuzuschreiben. Vermittelt die Veranstaltung dem Ehepartner facheinschlägiges Wissen, das dessen Berufsausübung dienlich ist, liegen abzugsfähige Aufwendungen vor. Handelt es sich beim Ehegatten um eine berufsfremde Person, wird eine betriebliche Veranlassung schwer beweisbar sein, zumal die Begleitung eines nahen Angehörigen für den Fiskus ein Indiz gegen eine berufliche Veranlassung darstellt.

Wenn mit ausreichender Planung und Organisation der beruflichen Reise sowie einem entsprechenden Reiseprogramm den Anforderungen der Finanz genüge getan ist, werden sämtliche Aufwendungen (Seminar- bzw. Kongressgebühren, Kosten für Fachbücher, Skripten. sowie Reise- und Aufenthaltskosten) zum Abzug zugelassen.

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